Allgemeine GPS-Frage

Hallo GPS-Freaks,

wir bereiten gerade ein Projekt vor. In diesem Zusammenhang habe ich zwei Fragen:

1. Wird bei einer Datenerfassung mittels DGPS-Receiver im Gelände direkt unter bzw. im Bereich von Freileitungen (u. U. Starkstrom) das Signal also die Messgenauigkeit beeinflusst?

2.An die Projekterfahrenen: Um wieviel (in % ausgedrückt) dauert eine Geländeerfassung (nur die reine Geländezeit, ohne Büro) mit GPS-Einsatz (Erfassung von Geometrien) länger als bei analoger Kartierung mit Stift und Papierkarte?

Ich bin gespannt auf eure Antworten und vielen Dank im voraus!

Jens
Also - da sich sonst keiner traut: zu 1.) GPS ermittelt die Position aus dem Vergleich von Signallaufzeiten. Da ich nicht wüsste, wie Freileitungen an der Zeit drehen könnten, sollten sie nix ausmachen. Bedeutende Fehler kommen aber mit einfachen GPS-Mäuschen zustande, wenn Hindernisse Satelliten abschatten und die Position von zwei benachbarten Messpunkten auf unterschiedlichen Satelliten beruht. M.W. wirken Freileitungen aber nicht in dieser Weise - dicke Bäume schon eher und Hausecken ganz bestimmt.

zu 2. Das kommt ganz drauf an. Mit einfachem GPS-Ansatz muss man an jedem Punkt gewesen sein - auch wenn man ihn bestens "von gegenüber" an eindeutigen Geländemerkmalen erkennen kann. Das dauert. Ausserdem geht nix über eine Papierkarte und einen weichen Bleistift. Da weiß man was man hat.

Klaus
Hallo Klaus,

vielen Dank für diese erste Einschätzung. Vielleicht gibt es noch ein paar weitere Anregungen.

zu 2.)
Es wird darum gehen im Gelände Polygone abzugrenzen. Da Luftbild und Flurkarte im Gerät mitgeführt werden sollen, muss man nicht zwangsläufig jeden Punkt ablaufen, sondern kann Punkte auch bei guter Übereinstimmung mit ALK und Luftbild manuell digitalisieren. Das es insgesamt etwas länger dauert ist klar. Um diesem Umstand kalkulatorisch Rechnung tragen zu können wäre es ganz gut einen Erfahrungewert im Vergleich zu rein analoger Geländearbeit zu haben.

Beste Grüße
Jens
Das hängt vom Gelände und den Genauigkeitsanforderungen ab. Genaue Angaben lassen sich da nicht machen. In unübersichtlichem Gelände wird imho GPS eindeutig im Vorteil sein gegenüber der Papierkarte. Die direkte Einarbeitung in den PC hängt u.a. auch von der benutzten Hardware ab (Tablet PC etc., siehe http://www.giswiki.de/index.php/Pencomputer).

Gruß, Heinz
Hallo,

hier auch von mir noch einige Hinweise:

Zu 1:
Das GPS selbst lässt sich durch Freileitungen nicht beeindrucken. Aber wenn Genauigkeiten von unter einem Meter erstrebt werden, sind DGPS-Geräte nötig, d.h. es werden zusätzlich externe Korrekturdaten verwertet. Diese werden z.B. über UKW oder MW übertragen. Diese Übertragung kann durch Freileitungen gestört werden. Das derzeit beste kostenlose Signal ist meines Erachtens Beacon (MW), das kaum beeinträchtigt wird und nahezu flächendeckend in Deutschland verfügbar ist.
Im Übrigen hängt die Genauigkeit stark von der Qualität des Empfängers ab. Zwischen einem Freizeit-GPS für wenige hundert Euro und einem Highend-GPS von z.B. Leica gibt es eben nicht nur einen Preisunterschied... Wenn man sich also auf die GPS-Position verlassen muss und diese nicht nur zur groben Orientierung verwendet, ist sehr zu empfehlen, beim GPS nicht zu sparen und sich evtl. eines zu leihen, wenn die Investition nicht lohnt.

Zu 2:
Wer schon einmal ein Projekt komplett mit GPS und mobilem Rechner abgewickelt hat, wird kaum mehr zu Papier und Bleistift zurückkehren wollen. Es ist richtig, dass der Zeitaufwand im Gelände höher ist. Der genaue Prozentsatz hängt sehr stark vom verwendeten GPS, der Software und der Aufgabenstellung ab. Wer z.B. flächendeckend Polygone kartieren muss, braucht mit ArcPad gar nicht erst anzufangen - er wird an den gemeinsamen Grenzen verzweifeln und einen wesentlich höheren Geasmtaufwand haben. Wenn die GPS-Position zu 50
% unbrauchbar ist und im Büro korrigiert werden muss, relativiert sich die Einsparung auch wieder. Bei einem guten GPS und passender Software sind aber schon Zeiteinsparungen von 50% und mehr gemessen worden.
Wir haben in Bayern große Kartierprojekte betreut, die ohne mobile Datenerfassung gar nicht möglich gewesen wären.
Nicht zu vergessen:
Die richtige Ausrüstung vorausgesetzt: Wenn man nach Hause geht, ist man zu 90% fertig! Natürlich gibt es immer noch kleine Änderungen zu machen, aber das ist nichts im Vergleich dazu, wenn man im Büro den Kartierer verwünscht, weil man nicht entziffern kann, was dieser gemeint hat, oder - schlimmer noch - man selbst kartiert hat und nach einiger Zeit nicht mehr weiß, wie das draußen genau war.
Die Digitalisierung vor Ort diszipliniert ungemein, weil man sich nicht mehr durchmogeln kann und vor Ort entscheiden muss, was immer besser ist, als im Nachhinein aus dem Bauch heraus Linien zu kritzeln.

Falls über die zu verwendenden Systeme noch Unklarheit herrscht, siehe:
ili-gis.com

Gruß
Wolfgang
Danke!!
ich danke auch!

Ich fürchte erst die Praxis wird zeigen, wie gut der kalkulatorische Ansatz in Bezug auf die Geländearbeiten ausfällt.

Beste Grüße

Jens
Hallo!
Nur Interesse halber: Für welche Ausrüstung habt Ihr Euch entschieden??
Gruß
Wolfgang
Hallo!

Nur der Vollständigkeit halber: Wenn das Projekt kommt - dann werden wir uns entscheiden.

Nebenbei: Wir hatten Dich schon vor einem Jahr angefragt ;-)

Gruß Jens